schuetzenbruderschaft

 

Mit freundlicher Genehmigung der St. Matthias Abtei, Trier

Anmerkungen zur Aufhebung der Exkommunikation

Papst Benedikt XVII und Bischof Richard Williamson
Papst Benedikt XVII und Bischof Richard Williamson

Die Diskussion um die Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der „Priesterschaft St. Pius X.“ durch Papst Benedikt XVI hält an. Bei vielen Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche hat die Maßnahme des Papstes Unverständnis, Verunsicherung und Enttäuschung hervorgerufen. Empörung verursachte der zeitliche Zusammenfall dieses Aktes mit den Aussagen des BischofsRichard Williamson, der die Schoah in Frage stellte.

Gut zu wissen, dass Papst Benedikt XVI über die Person des Bischofs Williamson keine Informationen hatte. Aber schlimm, dass er sie nicht hatte, dass die zuständigen Stellen sie ihm nicht weitergaben oder selbst nicht darüber verfügten. Bereits vor einem Jahr machte das führende katholische Wochenblatt in England, THE CATHOLIC HERALD, auf die ständigen antisemitischen Äußerungen Williamsons aufmerksam und kommentierte, dass diese Einstellung eine Versöhnung mit Rom, wie sie vom Leiter der Piusbruderschaft damals bereits erstrebt wurde, ausschließe. Wo solche öffentlichen Bekanntgaben die zuständigen Stellen in Rom nicht erreichen, sind Skandale wie das Versöhnungsangebot, das der Papst dem Holocaust Leugner mit der Aufhebung seiner Exkommunikation macht, allerdings vorprogrammiert.

Bischof Williamson hat seinerseits nie einen Hehl daraus gemacht, dass er persönlich eine Versöhnung mit Rom auf keinen Fall will. In seiner öffentlichen Leugnung der Judenvernichtung unmittelbar vor der Unterzeichnung des römischen Aufhebungsdekretes sieht Erzbischof Hippolyte Simon, stellvertretender Vorsitzender der französischen Bischofskonferenz, daher die gezielte Absicht, den Versöhnungsversuch des Papstes zu torpedieren. Auch der schwere Schaden, der nun aus seinen Äußerungen für das Gespräch der katholischen Kirche mit dem Judentum sowie für das Ansehen des Papstes entstanden ist, liege sicher völlig in seinem Interesse. Wer den Papst, dem die Wertschätzung des Judentums ein tiefes, theologisches und persönliches Anliegen ist, mit den untragbaren Einstellungen des Bischofs in Verbindung bringe, spiele mit in dessen intrigantem Spiel.

Was nun die Aufhebung der Exkommunikation betrifft, die die Bischöfe der Piusbruderschaft sich bei ihrer Weihe durch Bischof Lefebvre vor 20 Jahren zugezogen hatten, so liegt das Problem vielleicht nicht so sehr in dem, was der Papst in dem Dekret der Bischofskongregation sagte und was er damit beabsichtigte. Unverständnis, Verunsicherung, Enttäuschung entstanden vor allem daraus, dass in der Öffentlichkeit nicht deutlich wurde, was die Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe alles nicht bedeutete: Sie sind dadurch keineswegs auch schon rehabilitiert und mit der Kirche ausgesöhnt; sie sind nach wie vor von allen kirchlichen Amtshandlungen suspendiert. Vor allem liegt in der Aufhebung der Exkommunikationen keineswegs eine Tolerierung ihrer grundsätzlichen Gegnerschaft zum 2. Vatikanischen Konzil und keine Infragestellung der Verbindlichkeit dieses Konzils und seiner Grundentscheidungen als Fundament für die Einheit der Kirche.

Es ging vielmehr lediglich darum, durch die Aufhebung der Exkommunikation eine von den vier Bischöfen geforderte Vorbedingung für ein auf ihre Wiedereingliederung gerichtetes Gespräch zu erfüllen, um vonseiten Roms ein solches Gespräch unter dem Vorzeichen der Versöhnungsbereitschaft beginnen zu können. Aufgabe dieses Gespräches ist jedoch, wie der Papst versicherte, die Bischöfe gerade mit der Verbindlichkeit der Konzilsentscheidungen zu konfrontieren, um so - anstelle der Exkommunikation, die sie sich als Tatfolge ihrer illegitimen Weihe ipso facto zugezogen hatten eine auf das verbindliche Glaubensfundament bezogene Entscheidung für, ggf. aber auch gegen die Einheit herbeizuführen.

Die Öffentlichkeit hatte ein Recht auf diese Klarstellungen. Wenn sie vonseiten der römischen Kurie zunächst nicht ausreichend erfolgten, sind auch die dadurch geweckten Befürchtungen nicht von der Hand zu weisen, dass das zu eröffnende Gespräch mit den Bischöfen ähnliche Unklarheiten und Zweideutigkeiten aufweisen werde, dass man sich darin mit bloßen Lippenbekenntnissen der Bischöfe zufrieden geben und ihnen eine Toleranz einräumen könne, die mit der Verbindlichkeit, dem Gewicht und dem Ernst der konziliaren Grundentscheidungen keineswegs vereinbar ist. So fragen also viele erschreckt, wohin das Schiff der Kirche steuert und welche Personen Einfluss darauf nehmen.

Ferner: So unterstützenswert das Anliegen des Papstes auch ist, um des hohen Gutes der Einheit willen alles in seiner Macht stehende zu tun, was einer Versöhnung dient, Ärgernis erregt immer wieder, dass er eine vergleichbare Toleranz, wie er sie traditionalistischen Gruppen entgegenbringt, anderen Gruppierungen und Richtungen in der Kirche versagt: Ehemännern etwa, die sich zum Priestertum berufen glauben; Frauen, die sich grundsätzlich ins zweite Glied verwiesen und in ihrem geistlichen Auftrag für die Kirche nicht ausreichend ernstgenommen sehen; Priestern, die die Partnerschaft mit einer Frau nicht im Geheimen leben wollen; Christen, Familien, Gruppen und Gemeinden, die die von ihnen über die Konfessionsgrenzen hinweg schon lange gelebte Einheit in Christus in eucharistischer Gemeinschaft bekennen, feiern und stärken wollen; wiederverheirateten Geschiedenen, die sich für das Gelingen ihres zweiten Lebenswagnisses bewusster und dringlicher auf Stärkung durch die eucharistische Mahlgemeinschaft angewiesen sehen als bei ihrer ersten, vielleicht noch relativ unbedachten Partnerschaft.

Grundsätzlich gilt jedoch: Wenn die Kirche traditionalistischen Gruppen jeden Toleranzraum verweigern würde, könnte sie auch in anderen Richtungen keinen Pluralismus der Formen kirchlichen Glaubens und Lebens dulden und sich nicht ihre ökumenische Offenheit bewahren. Eine solche Toleranz kann sich gewiss auch auf das Vorbild des Paulus berufen, der sich (in der Frage des Götzenopferfleisches) stets darum bemühte, auch den „Schwachen" und von den Ausdrucksformen der von ihm verkündeten Freiheit in Christus Überforderten in der Gemeinschaft der Kirche Raum zu geben. Toleranz - allseitig geübt! - ist kein Zeichen der Schwäche, sondern des Glaubens der Kirche an den sie leitenden Heiligen Geist und die von ihm gewirkte „Einheit in der Verschiedenheit".

Diese Bereitschaft zur Toleranz duldet allerdings keine Infragestellung der Grundlagen, auf denen sie selber beruht. Gott sei Dank gehörte es nicht zum Stil dieses Konzils, seine Entscheidungen ausdrücklich mit einem „Anathema" zu verbinden, wie es die dogmatischen Entscheidungen früherer Konzilien kennzeichnet. Das Konzil wollte nicht ausschließen, sondern Kirche als eine lebendige und einladende Gemeinschaft der Glaubenden darstellen. Wo aber genau diese lebendige Grundlage der Einheit zugunsten einer Rückkehr zu einem starren Dogmatismus abgelehnt, ja ausdrücklich als Abfall vom Glauben gewertet wird, da erfordert es die Treue der Kirche zu sich selbst, eindeutig und konsequent die Anerkennung der Entscheidungen ihres Konzils einzufordern, auch wenn dies den endgültigen Ausschluss oder Austritt einer Gruppierung aus ihrer Gemeinschaft bedeuten würde. So verbindet ja auch Paulus sein Evangelium im Brief an die Galater mit dem „Anathema" gegenüber allen, die „ein anderes Evangelium" und die Rückkehr zum Gesetz predigen, um eindeutig gegen alle Infragestellung festzuhalten an der von ihm verkündeten Freiheit des Evangeliums.

Angesichts der bisherigen kategorischen Ablehnung des Konzils durch die Bischöfe der Piusbruderschaft ist es daher dankenswert und für die Kirche lebenswichtig, dass der Papst die uneingeschränkte Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils sowie der Autorität aller Päpste während des Konzils und danach inzwischen eindeutig als Voraussetzung für die Einheit mit der katholischen Kirche benannt hat. Ermutigend ist es im Grunde ja auch, dass veranlasst durch die Verunsicherungen um die Aufhebung der Exkommunikation - noch einmal erfahrbar wurde, in welcher Breite und mit welcher Entschiedenheit die ganze Gemeinschaft der Glaubenden für die Trag- und Zukunftsfähigkeit der konziliaren Grundentscheidungen als verbindlichen Maßstab der kirchlichen Einheit eintritt.

Quellen und ausführliche Dokumentation ist in dem PDF-Dokument zu finden:
icon Toleranz: JA - Selbstaufgabe: NEIN (220.64 kB)

Und hier ein Link mit weiterführenden Infos der Deutschen Bischofskonferenz:
Dossier: Aufhebung der Exkommunikation von Bischöfen der Pius-Bruderschaft

Papst Benedikt XVI., an die Bischöfe der katholischen Kirche in Sachen Aufhebung der Exkommunikation der vier von Erzbischof Lefebvre geweihten Bischöfe:
Brief Seiner Heiligkeit

Tags: Alle ansehen


Papst  
anmeldung_jupi

Termine

Tageslosung

Freitag, 03. September 2010
Er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen.
Paulus schreibt: Mir soll es nicht einfallen, auf irgendetwas anderes stolz zu sein als auf das Kreuz unseres Herrn Jesus Christus, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.