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17. März 2008
Die Neersener Kapelle Klein-Jerusalem war am Samstag das Ziel für 1200 Pilger vom ganzen Niederrhein. Ein festlicher Gottesdienst unter freiem Himmel krönte ihre 25. Friedenswallfahrt.

Hermann Josef Siegers sieht glücklich aus. 18 Kilometer Fußmarsch liegen hinter dem 63-Jährigen aus Korschenbroich, der nicht in Worte kleiden kann, was er alles erlebt hat: „Das muss man selbst ausprobieren“, sagt er und bewegt den Rosenkranz zwischen den Fingern. Müde, aber glücklich kamen Vertreter zahlreicher St.Matthias-Bruderschaften an diesem Nachmittag nach Neersen, um gemeinsam Glauben zu leben – und das zum mittlerweile 25. Mal.
In Seelenruhe sich selbst finden
„Wir pilgern auch jedes Jahr nach Trier zum Grab des Apostels Matthias“, erzählt der Neersener Brudermeister Heinz Dieter Nilkes, der seit über 20 Jahren der Bruderschaft angehört und viele Gründe findet, warum das Pilgern so bemerkenswert und neuerdings auch so verbreitet ist: „Als junger Mann war das für mich vor allem ein Gefühl von Freiheit und starkem Glauben. Heute weiß ich: man findet in aller Seelenruhe zu sich selber und erlebt alles viel intensiver.“
Auch Hermann Josef Siegers, der mit einem Getränk gerade die Wartezeit bis zum Gottesdienst überbrückt, weiß ähnliches zu berichten: „In der eingeschworenen Gemeinschaft unterwegs gibt es kein böses oder lautes Wort. Jeder ist für jeden da, bei kleinen Wehwehchen findet man Hilfe und Trost. Spätestens beim Gebet schaltet man komplett ab, ein unwahrscheinlich schönes Gefühl“, begeistert er sich.
Egal woher, ob aus Kempen, Kaarst, Mönchengladbach oder Neuss, jeder Einzelne gestaltet solch einen Tag mit zu dem, was er sein soll – ein starker Ausdruck von Gemeinsinn und ein unvergessliches Glaubenserlebnis. Das wissen auch Kinder wie Maike (8) zu schätzen, die in diesem Jahr ihre Erstkommunion feiert. „Wir haben uns Kreuzketten gebastelt, gebetet und sind zwölf Kilometer gelaufen“, erzählt das Mädchen, das zusammen mit 60 anderen Kindern aus Kleinenbroich so an den Glauben herangeführt wird.
Spaß für Kinder
„Die Kinder machen das Abenteuer gerne mit, das finde ich richtig toll!“, meint Maikes Mutter Andrea, für die der Glauben eine große Rolle spielt. Und dass Frieden wichtig und nicht nur ein leeres Wort ist, weiß Maike nur zu genau: „In der Fastenzeit benutze ich keine Schimpfwörter“, sagt sie. „Und es wird sich nicht gezankt“, ergänzt ein Junge. Trotz aller Begeisterung schlaucht eine Wallfahrt; wenn sie zu Hause ist, wolle sie sich „gleich ins Bett legen“, sagt Maike.
„Wir tragen den Frieden mit Füßen zu den Menschen“, machte Pfarrer Karl-Josef Pütz in seiner Predigt deutlich. Im Anschluss an den Gottesdienst beköstigten die Neersener ihre Gäste mit Kaffee, 35 Kuchen und 2400 halben Brötchen. Ein überwältigendes Schauspiel im Zeichen des Friedens.
© rp-online, Rheinische Post
Originalartikel:
Pilgern als gelebter Glaube (83,77 Kb)




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