Der Erzbischof hat entschieden: Ab dem 1. Januar 2010 wird es keine selbständige Pfarre St. Martinus mehr geben. Die Martinuspfarre wird gemeinsam mit den Pfarren Büttgen, Holzbüttgen und Vorst eine Pfarreiengemeinschaft bilden.
Die Entscheidung des Erzbischofs war nötig, weil sich die St.-Martinus-Pfarre selbst nicht festgelegt hatte, ob sie eine Pfarreiengemeinschaft oder eher eine Fusion wünscht. Für die Büttgener dagegen war die Sache schon lange klar: „Wir haben uns für eine Pfarreiengemeinschaft entschlossen“, sagte am Freitag Dechant Monsignore Josef Brans auf Anfrage der NGZ.
Was wird sich konkret für die Gemeinden ändern? St. Martinus, mit über 10 000 Gemeindemitgliedern eine der größten Pfarreien des Erzbistums Köln überhaupt, wird einen Teil der Selbständigkeit verlieren. Denn es wird nur einen einzigen Pfarrgemeinderat aller vier beteiligten Pfarren geben - und in diesem Pfarrgemeinderat wird über Pfarrzentren, Kindergartenpersonal, Gemeindeveranstaltungen und so weiter entschieden.
Letztlich alles, was mit dem konkreten Gemeindeleben zusammenhängt, wird dann von diesem Gremium festgelegt. Für Kaarst ein Einflussverlust - denn da drei weitere Pfarreien in dem Verband zusammengeschlossen sind, hat Kaarst nur noch ein Viertel der Stimmgewalt.
Doch die Pfarre St. Martinus wird auch nach dem Zusammenschluss nicht die volle Selbständigkeit verlieren. Alle Fragen rund um Immobilien und Kirchenvermögen bleiben in der Hoheit von St. Martinus.
Dr. Kurt-Peter Gertz, noch Pfarrer an St. Martinus, war am Freitag wenig auskunftsfreudig: Nach telefonischer Anfrage der NGZ, wie denn die nächsten Schritte Richtung Pfarreiengemeinschaft konkret aussehen, legte er kurzerhand den Telefonhörer auf: „Ich werde alle Fragen zuerst mit den zuständigen Gremien besprechen“, so seine einzigen Worte. Welche Gremien sind das? Welche Details sollen zuerst geklärt werden? Was haben die Mitglieder der Pfarre St. Martinus nun konkret zu erwarten? Gertz lässt eine Reihe von Fragen offen.
Auskunftsfreudiger war dagegen Dechant Josef Brans. Er ist designierter Leiter des künftigen Pfarrgemeindeverbandes. Im Gespräch mit der NGZ war Brans sehr gelassen: „Ich kann die Ängste und Sorgen vieler Gemeindemitglieder verstehen. Doch ich bin sicher: Nachdem der Zusammenschluss vollzogen ist, werden sich die meisten der Befürchtungen als unbegründet erweisen.“
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Brans weiß, wovon er spricht. Er selbst hat nämlich schon mehrere solcher Zusammenschlüsse miterlebt. Anfangs war Josef Brans als Pfarrer ausschließlich für Vorst zuständig. Später kam Holzbüttgen dazu. Und seit einigen Jahren leitet er den Seelsorgeverband Büttgen, in dem die einstigen selbständigen Pfarreien Büttgen, Holzbüttgen und Vorst zusammengeschlossen sind. „Im Prinzip ist das nichts anderes als der Zusammenschluss, der jetzt noch bevorsteht“, meinte Brans.
Wie lange sind eigentlich noch die bisherigen Pfarrgemeinderäte im Einsatz? Patricia Jungnickel, Pressesprecherin des Erzbistums Köln, erläuterte: „Die Pfarrgemeinderäte bleiben bis zu den Neuwahlen am 7. beziehungsweise 8. November 2009 bestehen. Nur bei einer Fusion zum 1. Januar 2009 kann bereits früher ein neuer Pfarrgemeinderat gewählt werden.“
Wie der bestehende Pfarrgemeinderat St. Martinus auf die Vorgaben aus Köln reagieren wird, bleibt noch offen. Vorsitzende Klaudia Schuch wusste gestern nämlich noch nichts von der Entscheidung in Köln: „Ich werde jetzt erst mal einige Gespräche führen“, sagte sie.
© ngz-online, Neuss-Grevenbroicher-Zeitung
Originalartikel der NGZ:
Koeln hat entschieden (28.16 kB)
Zur Sache (Koeln hat entschieden) (77.05 kB)




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