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25. September 2008
Köln hat entschieden - aber so einfach wird sich der Kirchenvorstand von St. Martinus Kaarst dieser Vorgabe nicht beugen. „Die nun getroffene Entscheidung zur Bildung einer Pfarreiengemeinschaft bedarf laut Kirchengesetz unserer Zustimmung”, erklärt die stellvertretende Vorsitzende Birgit Pappenbecker, „aber die wird es von uns nicht geben.”
Denn der Vorstand fühlt sich - und damit auch die Gemeinde - durch die Kooperation mit den anderen drei Pfarreien des Stadtgebietes schlichtweg zu wenig berücksichtigt.
Das Problem liegt jedoch keinesfalls in der Zusammenarbeit mit Pfarrer Josef Brans oder den Gemeinden St. Antonius, Sieben Schmerzen Mariens und St. Aldegundis an sich, sondern mit der zukünftigen Gewichtung der einzelnen Pfarreien.
„Wenn wir ab dem 1. Januar 2010 eine Gemeinschaft bilden würde, wird es nur noch einen gemeinsamen Kirchenvorstand geben, der sich aus je zwei Vertretern pro Gemeinde und einem Priester besteht", so Pappenbecker. Stelle man die einzelnen Gemeinden jedoch einmal in Zahlen gegenüber, würden diese beiden Vertreter nicht die Anzahl der zu vertretenden Gemeindemitglieder widerspiegeln.
"Wollen eigenständig bleiben"
"Wir haben in St. Martinus 10 000 Mitglieder und die anderen drei Pfarreien zusammen nur etwas mehr als 9000", stellt Pappenbecker mit dem zweiten Stellvertreter Theo Thissen und Kirchenvorstandsmitglied Werner Schwenzer klar, die sich jetzt noch einmal schriftlich an das Erzbistum in Köln wenden wollen. Schließlich sei diese Vorgabe demokratisch gesehen nicht tragbar und diesen "Tatbestand" gelte es nicht nur aufzudecken, sondern sich auch dafür einzusetzen.
Laut Patricia Jungnickel wird das allerdings nichts an der Entscheidung ändern. "Diese Proporz-Regelung ist so festgelegt", erklärt die Pressereferentin des Erzbistums. Die Vorgabe sei ebenso verbindlich wie das Schreiben, das die Kaarster in der vergangenen Woche zur Bildung einer Pfarreiengemeinschaft erhalten haben. "Der Erzbischof greift immer erst ein, wenn sich die Pfarreien nicht einig werden", sagt Patricia Jungnickel. "Dass das nicht leicht für die betroffenen Gemeinden ist, ist natürlich klar." Es gehe jedoch darum, den Entscheidungsprozess irgendwann einmal abzuschließen, um wieder Ruhe in die Gemeinde einkehren zu lassen.
Nach Ansicht des Kirchenvorstandes passiert momentan jedoch genau das Gegenteil. "Wir sind gerade in einer sehr guten Phase, haben in die neue Orgel investiert und werden jetzt noch das Gemeindehaus sanieren", so Werner Schwenzer. "Wir wollen einfach eine eigenständige Gemeinde bleiben, die sich mit ausreichend Vertretern um das Wohl von 10000 Mitgliedern kümmern kann."
Doppelte Belastung
Und die sehen das anscheinend genauso. "Mit diesem Strukturwechsel, der aus Köln vorgegeben wird, wird man verschaukelt", sagt beispielsweise die Kaarsterin Dorothee Daners und ärgert sich darüber, dass die "Amtskirche" einfach alles ohne die Gemeinden macht. "Pfarrer Brans hätte mit St. Martinus auf einmal doppelt so viele Gemeindemitglieder wie bis jetzt in den drei anderen Pfarreien und damit eine doppelt so hohe Belastung." Intensiver könne die Seelsorge durch solch ein Konzept ihrer Meinung aufjeden Fall nicht werden und das Ganze würde nur in einem "fürchterlichen Chaos" enden.
© ngz-online, Neuss-Grevenbroicher-Zeitung
Originalartikel:
Kaarst kontra Kardinal (542.9 kB)




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