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Keine Regierungserklärung, aber Programmschrift: Deus Caritas est
Keine Regierungserklärung, aber Programmschrift: Deus Caritas est


Erste Sozial - Enzyklika eines Papstes überhaupt

Neun Monate nach seiner Wahl hat Benedikt XVI. am Mittwoch seine erste Enzyklika vorgelegt. "Deus caritas est " (Gott ist die Liebe) ist keine breit gefächerte "Regierungserklärung", wie andere Päpste sie zu diesem Anlass vorlegten, sondern eher eine Detailstudie. Das Lehrschreiben gilt dem Zentrum des christlichen Glaubens und der Kirche, der Gottesliebe und der damit untrennbar verbundenen Nächstenliebe.

Erste Enzyklika zum Thema "Caritas"
Benedikt XVI. präsentiert damit nicht nur die erste Enzyklika zum Thema Caritas überhaupt; er gibt auch programmatische Linien seines Pontifikates vor. Der Papst begründet seine Themenwahl mit der besonderen Aktualität der christlichen Botschaft von der Liebe in einer Zeit, in der Gott und Religion oft als Vorwand für Hass, Gewalt und Rache dienten. Zudem sei der Begriff Liebe heute vielfach abgenutzt und missbraucht.

Das 78-seitige Schreiben liefert eine Profilbeschreibung, wie christliche Caritas und Nächstenliebe konkret aussehen sollten. Benedikt XVI. gibt zunächst die Begründung für diese Wohlfahrtstätigkeit: Kirche und Christen setzten sich nicht nur aus philanthropischen Gründen für den Mitmenschen in Not ein - sondern weil dies zentraler Bestandteil von Glaube und christlichem Leben sei. Da Gott seine Schöpfung und besonders den Menschen liebe, müsse dieser seinen Nächsten lieben. Der Papst sieht Gottesliebe und Nächstenliebe untrennbar verbunden. Die Kirche könne auf sie ebenso wenig verzichten wie auf die Verkündigung des Evangeliums oder die Spendung der Sakramente.

Philosophische und theologische Grundlegung
Die Enzyklika setzt aber noch einen Schritt vorher an. Der frühere Theologie-Professor Ratzinger beleuchtet detailliert den Begriff Liebe quer durch die klassische Antike und ihre Philosophie, durch den semitischen Raum und die Bibel, erklärt die unterschiedlichen Dimensionen in ihrer Entwicklung - samt ihren Verformungen. Er setzt sich mit Nietzsches These auseinander, das Christentum habe dem "Eros Gift zu trinken gegeben", und er behandelt die Verelendungstheorie von Karl Marx. Er stellt klar, dass Liebe "letztlich eine einzige Wirklichkeit" mit verschiedenen Dimensionen sei. Dass christliche Liebe und Eros als Liebe zwischen Mann und Frau eine Einheit bildeten, dass der Eros freilich reifen müsse und nicht zur Sex-Ware degradieren dürfe.

Gebot der Nächstenliebe
Auf die philosophisch-theologische Grundlegung folgen konkrete Konsequenzen zum Gebot der Nächstenliebe, das sich an den einzelnen Christen wie an die Kirche insgesamt richtet - und darüber hinaus. Für Benedikt XVI. gehört zum spezifischen Profil kirchlicher Hilfstätigkeit die menschliche Zuwendung, die mehr ist als berufliche Kompetenz und technisch korrekte Behandlung. Caritas-Arbeit müsse unabhängig von Parteien und Ideologien helfen. Und sie dürfe nicht als Mittel benutzt werden, um anderen nden Glauben der Kirche aufzudrängen. Das bedeute nicht, dass ein katholischer Helfer nicht von Gott sprechen dürfe. Aber es sei mitunter eine Frage der Klugheit, ob man beim Handeln durch Reden oder durch Schweigen christliches Zeugnis ablegt, betont der Papst.

Mit "Deus caritas est" hat Benedikt XVI. keine reine Sozial-Enzyklika vorgelegt - auch wenn gerade der zweite Teil durchaus konkrete Handlungsanweisungen enthält. Der Papst unterscheidet klar zwischen den Kompetenzen von Kirche und Staat, von katholischen Amtsträgern und katholischen Laien und ihren unterschiedlichen Zuständigkeiten für Gerechtigkeit und für gerechte soziale Strukturen. Mit dem Dokument liefert er zugleich die theologische Grundlegung für dieses Sozialengagement und hebt es vom weltlich-rechtlichen in den religiösen Bereich.

Grundlinien, aber keine Details
Die Enzyklika beschränkt sich auf Grundlinien, sie geht nicht zu sehr ins praktische oder rechtliche Detail. Zum Thema Ehe etwa haben Kirche und Lehramt in anderem Zusammenhang schon viel mehr gesagt. Auch etwa zu den Zuständigkeiten und Kompetenzrahmen des
Bischofs bei kirchlichen Hilfseinrichtungen gibt es andernorts Weiterführendes. Gemessen an Lehrschreiben des vergangenen Pontifikats ist "Deus caritas est" auffallend kurz. Es ist theologisch und intellektuell anspruchsvoll und damit auch nicht ganz leicht verständlich geschrieben. Mit der Veröffentlichung zur Gebetswoche für die Einheit der Christen setzt der Papst zusätzlich einen ökumenischen Akzent.

icon Enzyklika DEUS CARITAS EST (279.51 kB)

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Sonntag, 01. August 2010
Es ist kein Fels, wie unser Gott ist.
Wir haben einen starken Trost als einen sicheren und festen Anker unsrer Seele, Jesus.