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Porträt: "Der Papst, der die Welt veränderte"

Geschrieben von Ralf Arnert. Veröffentlicht in Vermischtes

"Niemals zuvor hat das persönliche Schicksal eines einzelnen Menschen in der Welt so viel Aufmerksamkeit gefunden wie der Kampf Johannes Pauls zwischen Leben und Tod", meinte unlängst ein Vatikanist in Rom. Eigenartig und unerklärlich: Das Interesse der Welt, auch in "glaubensfernen" Ländern, an dem Polen wuchs, je älter, je hinfälliger Karol Wojtyla wurde. "Phänomen Wojtyla" umschrieben Kirchenleute seine Anziehungskraft gerade auch auf Jugendliche - erklären konnten sie es nicht.

Der Körper von Johannes Paul II. wird über den Petersplatz getragen. (dpa)Doch bis zuletzt gab es auch den "anderen Papst", den strengen Papst, der Kritiker wie Gläubige verwirrte, verärgerte und vor den Kopf stieß. Erst kürzlich sorgte er für Wirbel, als er in seinem neuesten Buch Abtreibung mit dem Holocaust verglich, Homosexualität verurteilte, gegen "freie Liebe", Pille und Präservative wetterte - und vor den Verführungen der modernen Welt warnte. "Rebell gegen den Zeitgeist" nannten das manche - auch darin lag ein Teil seiner Faszination. Ein "moderner Papst" war der Mann aus Krakau nie.

Die Deutschen liebten den Papst vor allem als "Friedensengel". Doch der Mann, der in der Nähe von Auschwitz geboren wurde, der Hitler-Terror und Kommunismus überlebte, litt zeitlebens unter einer ganz besonderen Schreckensvision: dem apokalyptischen Horror einer Welt der totalen Säkularisierung, einer Welt ohne Glaube und Transzendenz, die den Mensch reduziert auf seine Nützlichkeit. "Eine Welt ohne Gott ist eine Welt gegen den Menschen", war sein Credo. Daher seine Aversion gegen Kommunismus und ungebremsten Kapitalismus, die beiden Ideologien, die den Menschen auf reibungsloses Funktionieren reduzieren. Daher auch sein Nein zur Gentherapie, die den Mensch noch effizienter zu machen verspricht.

"Kultur des Todes" hieß sein "Feindbild", gegen das Johannes Paul bis zuletzt zu Felde zog. Darunter fasste er manches zusammen, was seine Anhänger aus den verschiedenen Lagern nur schwer zusammenbrachten: den Kampf gegen Abtreibung wie gegen den Irak- Krieg, gegen Todesstrafe und Armut in der Dritten Welt ebenso wie gegen die marxistische "Befreiungstheologie". Der Mann, der mithalf, den Kommunismus zu besiegen, nahm das Wort "Ausbeutung" in den Mund, nachdem es selbst Sozialisten auf den Index gesetzt hatten. "Der letzte große Konservative ist der letzte große Rebell gegen die herrschenden Verhältnisse", schrieb der deutsche Autor Jan Roß.

Karol Wojtyla stammte aus kleinbürgerlichen, tiefreligiösen Verhältnissen. Am 18. Mai 1920 als Sohn eines Unteroffiziers in der 7000-Seelen-Gemeinde Wadowice, nur 30 Kilometer von Auschwitz entfernt geboren, trifft ihn früh das Schicksal: Als er neun Jahre alt ist, stirbt die Mutter, wenig später der Bruder, dann der Vater. "Mit 20 Jahren hatte ich alle Menschen verloren, die ich liebte."

Er studierte in Krakau polnische Literatur, spielte als Schauspieler auf einer Studentenbühne. "Die endgültige Reifung meiner Priesterberufung erfolgte im Zweiten Weltkrieg, während der Besatzung der Nazis." 1942 trat er in ein verbotenes Priesterseminar in Krakau ein. Um nicht deportiert zu werden, arbeitete er in einem Steinbruch, später in einer chemischen Fabrik. Nach der Priesterweihe 1946 folgte ein Studium in Rom, dann kehrte er als Kaplan nach Krakau zurück. Weitere Stationen: 1958 Weihbischof in Krakau, 1967 Kardinal.

Papst Johannes Paul II., aufgenommen am Abend seiner Wahl, Archivfoto vom 16.10.1978. (dpa)Fast vergessen sind heute die heiteren Bilder der Anfangsjahre. 58 Jahre war der Pole jung, als er zum Papst gewählt wurde. Wenn er auf Reisen ging, skandierten die Menschen: "Wir lieben Dich!" Er brach mit Tabus im Kirchenstaat, ging Skifahren, ließ seine medizinischen Bulletins veröffentlichen und saß mit Bob Dylan auf einer Bühne. Sein Humor und seine Offenheit ließen bei Gläubigen das Missverständnis aufkommen, es handle sich um einen "liberalen Papst".

Das "Abenteuer Wojtyla" begann am 16. Oktober 1978. Heute, nach dem Fall der Berliner Mauer, ist die Ungeheuerlichkeit der Wahl kaum noch nachzuvollziehen. Ein Papst aus dem Machtbereich der Sowjetunion bedeutete damals Wagnis und Provokation zugleich. Während sich selbst Konservative in Westeuropa an die Politik der "friedlichen Koexistenz" gewöhnten, machte der Mann aus Krakau aus seiner Abneigung gegen den Kommunismus keinen Hehl.

"Von nun an werde ich alles genau verfolgen, was Bedrohung, Schaden, Nachteile und Krisen für meine Heimat bedeutet", rief er den Polen zu. Das klang wie eine Drohung. Noch heute ist ungeklärt, ob nicht östliche Geheimdienste hinter dem Attentat 1981 auf dem Petersplatz standen. Schwer verletzt überlebte der Pole die Schüsse, mit dem Täter Ali Agca betete er später im Gefängnis - auch dies war eine der großen Gesten seines Pontifikats.

"Er ist immer bereit zuzuhören, aber Zuhören ist nicht das Gleiche wie wirkliche Toleranz", urteilte ein Biograf mit Blick auf Wojtylas Haltung bei Themen wie Zölibat oder Frauenpriester. Die Kluft zu Teilen des europäischen Kirchenvolks wurde tief, die Kritik seiner Gegner verletzend: "Halbgott in Weiß", "religiöser Multi", spottete der Tübinger Theologe Hans Küng. Eugen Drewermann nannte die päpstlichen Positionen schlicht "unchristlich".

Der aufgebahrte Leichnam von Johannes Paul II. im Petersdom (dpa)Johannes Paul II. half, den Kommunismus zu besiegen, doch später musste er erkennen, dass die Verlockungen des Westens viel größere Gefahren für Kirche und Glauben bergen. "Man muss immunisierende Schutzmaßnahmen treffen gegen die Viren der Verwestlichung, der Konsumgier und des Atheismus", meinte er einmal. Doch dazu reichte die Zeit nicht mehr.


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Sonntag, 20. Mai 2012
Wer Dank opfert, der preiset mich, und da ist der Weg, dass ich ihm zeige das Heil Gottes.
Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!

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