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Mehr Christen- als Priestermangel

Geschrieben von Christoph Pütz (NGZ). Veröffentlicht in Vermischtes

Kaarst „Mit Herz und Hand?“ - der unter dieser überschrift im Infoheft der katholischen Gemeinde St. Martinus von Pfarrer Dr. Kurt-Peter Gertz veröffentlichte Artikel hat für viel Diskussionsstoff gesorgt (die NGZ berichtete). Unter anderem geht es dort um Fragen des Zölibates, der Laienpriester - und auch wird die Frage gestellt, ob ausschließlich Männer die Priesterweihe erhalten sollten. Brisante Fragen - was denkt das Erzbistum Köln darüber? Die NGZ sprach mit Christoph Heckeley, stellvertretender Pressesprecher des Erzbistums.

Herr Heckeley, welche personellen Konsequenzen werden in Kaarst mit der Fusion 2008 gezogen?

Christoph Heckeley erläutert die Veränderungen in den Seelsorgebereichen. Foto: NGZ-OnlineChristoph Heckeley Das wird im Einzelnen und mit allen Betroffenen besprochen, steht also noch nicht fest. Das gilt im übrigen für alle Seelsorgebereiche im Erzbistum Köln; die Gespräche laufen, brauchen aber noch ihre Zeit. Was Pfrarrer Dr. Gertz betrifft: Er hat ja bereits in der NGZ gesagt, er wolle aus gesundheitlichen Gründen vor 2010 aufhören.

Pfarrer Dr. Gertz sprach an, dass auch ausgebildete Laienpastorale möglich werden könnten. Ein denkbarer Weg für Köln?

Heckeley Im Erzbistum Köln arbeiten zurzeit weit über 500 Pastoral- und Gemeindereferentinnen und -referenten in den unterschiedlichsten Arbeitsgebieten. Sie tun einen spezifischen, unverzichtbaren Dienst auf den verschiedenen Feldern kirchlichen Wirkens. Insofern ist der Einsatz solcher Laientheologen - Laie im Sinne von nicht geweiht - also längst etabliert.

Die Leitung einer Gemeinde gehört nach den kirchlichen Regeln nicht dazu. Das hängt unter anderem nicht zuletzt damit zusammen, dass sich eine Gemeinde auch wesentlich durch ihre Versammlung um den Tisch des Herrn definiert. Die Feier der Eucharistie ist aber ausschließlich dem geweihten Priester vorbehalten; das ist eine Norm, die in der ganzen Kirche gilt. Das Weihepriestertum ist also in der Kirche wie in der einzelnen Gemeinde nicht einfach ersetzbar.

Sind die Entwicklungen in Kaarst auch in anderen Bereichen des Erzbistums und darüber hinaus zu spüren?

Heckeley Zum einen handelt es sich hier nicht um ein „Kölner Sonderproblem“, sondern um einen gesamtgesellschaftlichen Umbruch, mit dem zurzeit alle deutschen Bistümer umgehen müssen. Die Deutsche Bischofskonferenz hat dazu jetzt eine neue Arbeitshilfe herausgegeben. Kardinal Lehmann sagte bei der Vorstellung: „Es sind aber nicht nur Mangelsituationen, die uns Veränderungen abverlangen, sondern auch gesamtgesellschaftliche Entwicklungen: insbesondere die demographische Entwicklung und die veränderten Lebensgewohnheiten der Menschen.

Grundsätzlich haben sich die (Erz-)Diözesen der Herausforderung zu stellen, Kirche dort einladend sichtbar zu machen, wo die Menschen leben und arbeiten. Für die Pfarrgemeinden heißt das, unter veränderten Bedingungen in größeren pastoralen Zusammenhängen für die Menschen erkennbar zu sein. Die Kirche zieht sich nicht aus der Fläche zurück, wie es mancherorts empfunden wird, wenn Pfarreien zusammengelegt werden.

Vielmehr wird die Konzentration auf pastorale Zentren die Bedeutung kirchlicher Orte wie Krankenhäuser, Sozialstationen, Schulen und Kindergärten als Orte des Glaubens stärken. Die Kirche darf nicht ihr Gesicht verlieren, wohl aber ihr Aussehen verändern, um unter ebenfalls veränderten Bedingungen den Menschen dort zu begegnen, wo der Alltag gelebt wird.“

Was bedeutet das konkret?

Heckeley Es geht darum, langfristig die Seelsorge zu sichern. Dazu gehört - und das ist das Zweite -, speziell die Priester von Aufgaben zu entlasten, die nicht in ihr ureigenstes Aufgabenfeld fallen. Dazu zählen zum Beispiel manche Verwaltungsaufgaben. Im Erzbistum Köln läuft deshalb zurzeit ein Projekt, das diese Frage gemeinsam mit Priestern berät. Es zeichnet sich schon jetzt ab, dass es Möglichkeiten und Wege einer verbesserten Aufgabenverteilung gibt, die der veränderten Situation besser gerecht wird.

Hierzu gehört auch ein verstärktes Engagement von Ehrenamtlichen. So unverzichtbar die Eucharistiefeier für die Gemeinde ist, macht sie doch all den anderen Tätigkeiten im diakonischen und katechetischen Dienst keine Konkurrenz oder sie gar überflüssig.

Auch die Idee, weibliche Priester einzusetzen und über das Zölibat nachzudenken, wurde geäußert. Wie beurteilt das Erzbistum solche Gedanken?

Heckeley Hier muss man ganz klar sehen, dass diese Fragen nicht in einer Diözese entschieden werden können - mehr noch: die Kirche sieht sich von ihrem Selbstverständnis her grundsätzlich nicht ermächtigt, in diesen Fragen anders zu entscheiden. Im übrigen gilt, was Kardinal Meisner wiederholt geäußert hat: Wir haben mehr noch einen Christenmangel denn einen Priestermangel: Beides hängt voneinander ab. Berufungen fallen nicht vom Himmel, sondern wachsen aus lebendigen christlichen Gemeinden.

© ngz-online, Neuss-Grevenbroicher-Zeitung

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Sonntag, 20. Mai 2012
Wer Dank opfert, der preiset mich, und da ist der Weg, dass ich ihm zeige das Heil Gottes.
Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!

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