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Keine Sonderlösung für St. Martinus

Geschrieben von Christoph Pütz (NGZ). Veröffentlicht in Vermischtes

„So geht es nicht!“ Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat der Pfarre St. Martinus sind sich darin einig: Es soll keine Fusion der Pfarrgemeinden geben, und eine Pfarreiengemeinschaft wird ebenfalls abgelehnt. Nahezu einstimmig hatten die beiden Gremien unabhängig voneinander in ihren jüngsten Sitzungen dieses Votum ausgesprochen. Eine entsprechende Stellungnahme ist nach Köln geschickt worden.

Warum Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat beide Vorschläge als unangemessen ablehnen, erläuterte am Freitag Kirchenvorstandsmitglied Birgit Pannenbecker auf Anfrage der NGZ: „Die jetzigen Vorstände der Kirchengemeinden werden im kommenden Jahr durch einen Kirchengemeindeverband ersetzt.
Die Zusammensetzung dieses Gremiums erfolgt aber nicht entsprechend der Zahl der Gemeindemitglieder.“ Das Problem ist folgendes: Der noch zu gründende Kirchengemeindeverband wird acht Mitglieder haben - und zwar aus jedem Seelsorgebereich zwei.

Mit rund 10 000 Gemeindemitgliedern ist die Pfarre St. Martinus eine der größten im Erzbistum. Büttgen, Holzbüttgen und Vorst haben zusammen ungefähr 9000 Gemeindemitglieder. Die Kaarster befürchten, durch die geplante Zusammenlegung im kommenden Jahr in den neuen Gremien unterrepräsentiert zu sein. NGZ-Archivfoto: Lothar BernsDa es vier Seelsorgebereiche gibt - nämlich Kaarst, Büttgen, Holzbüttgen und Vorst - ist die Zusammensetzung an der Anzahl der Gemeindemitglieder gemessen unverhältnismäßig. Kaarst hat rund 10 000 Gemeindemitglieder, aber nur zwei Sitze. Büttgen, Holzbüttgen und Vorst haben insgesamt rund 9000 Gemeindemitglieder - aber sechs Sitze.

Die Kaarster Gemeinde hat nun die Befürchtung, die Interessen ihrer Gläubigen im künftigen Kirchengemeindeverband nicht mehr effektiv genug vertreten zu können. Denn im Kirchengemeindeverband wird auch über Finanzen und Personal entschieden werden. „Wir sind in Kontakt mit Köln, hoffen, dass wir eine Sonderlösung finden können“, so Pannenbecker.
Das hofft auch Klaudia Schuch, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates: „Wir haben hier in Kaarst einen Sonderfall. Wir sind mit die größte Gemeinde des Bistums. Die Besetzung des Kirchengemeindeverbandes proporzional an die Anzahl der Seelsorgebereiche zu knüpfen, macht hier keinen Sinn. Das Erzbistum ist angehalten, hier genauer hinzugucken, wir brauchen eine Sonderregelung.“

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Zur Sache: Proporz Problem (cp)

Dass die Kaarster mit der Proporz-Lösung nicht glücklich sind, ist nachvollziehbar: Die Kaarster Pfarre St. Martinus hat 10 000 Gemeindemitglieder,wäre im zu gründenden Kirchengemeindeverband mit nur zwei Sitzen vertreten.
Büttgen, Holzbüttgen und Vorsthaben zusammen "nur" rund 9 000 Gemeindemitglieder -hätten aber insgesamt sechs Sitze in dem neuen Gremium.

Dieses Proporz-Problem gibt es im Bistum nur in großen Pfarreien mit vielen Seelsorgebereichen. Und da Kaarst eine der größten Pfarreien ist, ist hier auch das Problem besonders groß. Schließlich wird die Kompetenz des Kirchengemeindeverbandes nicht unerheblich sein, handelt es sich doch um das Nachfolgegremium der Kirchenvorstände. Da könnten die Kaarster mit ihren zwei Voten von den anderen sechs schnell überstimmt werden. Da es um so wichtige Fragen wie Personal und Finanzen geht, ist das aus Kaarster Sicht zunächst eine unglückliche Lösung.
Die helfende Hand, die aus Köln gereicht wird, kann das Problem nur bedingt lösen. Die Lösung muss vielmehr aus den Pfarreien selbst erwachsen.

Allein Proporz-Gedanken zu spinnen, löst das Problem nicht. Denn andersherum, würden die drei kleineren Seelsorgebereiche sich zu Recht dagegen wehren, wenn die Zahl der Sitze an die der Gemeindemitglieder gekuppelt wäre. Kaarst hätte dann nämlich eine "absolute Mehrheit", könnte nach eigenem Gusto entscheiden.

Statt proporzionale Rechenexperimente zu absolvieren, sollten die vier Seelsorgebereiche sich auf die Suche nach einer Lösung machen, die der Sache am ehesten dienlich ist. Denn schließlich geht es ja nicht um politische Parteien, die unterschiedliche Interessen vertreten. Es geht um vier Seelsorgebereiche, die alle im selben Boot sitzen.

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Pfarrgemeinderat

Bislang gibt es analog zu den Seelsorgebereichen vier Pfarrgemeinderäte. Nach den Änderungen im kommenden Jahr wird es nur noch einen Pfarrgemeinderat geben. Es ist bislang allerdings noch nicht geklärt, wie sich dieser Pfarrgemeinderat zusammensetzt. Es wird im Erzbistum Köln gerade ein Konzept erarbeitet, um die Aufgaben des künftigen Rates zu definieren und in eine Satzung zu gießen.

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Doch diese Hoffnung wird nicht erfüllt werden. Die NGZ fragte gestern beim Erzbistum Köln nach. Pressesprecherin Patricia Jungnickel sagte: „Eine Sonderregelung für Kaarst ist nicht auf der Agenda, und sie ist auch nicht nötig. Die Pfarreien und Gremien vor Ort sind aufgefordert, Lösungen zu finden. Sie haben Mittel und Wege an die Hand bekommen, die Auswirkungen der Zusammenlegungen können abgefedert werden.“ Jungnickel meint damit unter anderem die Möglichkeit, dass vor Ort Untergremien gebildet werden können.

Ist in den Mitteln und Wegen auch die Möglichkeit vorgesehen, dass die Pfarreien selbst den Proporz der Kirchengemeindeverbände bestimmen können? Konkret: Könnten Kaarster, Büttgener, Holzbüttgener und Vorster sich darauf einigen, die Besetzung des Gremiums nach eigenen Vorstellungen zu bestimmen?

Dem erteilte Jungnickel eine Absage: „Der Proporz wird wie vorgesehen beibehalten“, sagte sie. Unterstützende Beratung hat das Erzbistum der Gemeinde St. Martinus schriftlich zugesagt.

In einem Brief an Pfarrgemeinderatsvorsitzende Klaudia Schuch schreibt Prälat Hans-Josef Radermacher: „Die Mitarbeiter der Hauptabteilung Seelsorgebereiche stehen Ihnen als kompetente Ansprechpartner zur Verfügung, wenn Sie auf diesem Wege Beratung oder Unterstützung benötigen.“

© ngz-online, Neuss-Grevenbroicher-Zeitung

icon Zur Sache (Proporz Problem) (90.69 kB)


Tages Losung

Samstag, 19. Mai 2012
So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten.
Dass einige nicht treu waren, was liegt daran? Sollte ihre Untreue Gottes Treue aufheben? Das sei ferne!

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