Rund 1000 Gläubige kommen zur Kapelle Klein Jerusalem. Die Meisten bewältigen den Weg zu Fuß.

Monika Jacobs kommt mit dem Auto. Aber die allermeisten der rund 1000 Friedenspilger haben am Samstag den Weg zur Kapelle Klein Jerusalem zu Fuß bewältigt. „Ich musste nur die Hunde versorgen“, sagt Frau Jacobs, die aus St. Tönis kommt. „Mein Mann ist zu Fuß gepilgert, auf dem Rückweg machen wir es umgekehrt.“
Mit rund 35 Mann ist die Matthias-Bruderschaft aus St.Tönis nach Neersen aufgebrochen. Andere kommen aus Anrath, Kempen, Kleinenbroich, Korschenbroich, Fischeln. „Und wir haben an diesem Samstag vor Palmsonntag immer gutes Wetter“, freut sich Jacobs. Tatsächlich steckt die Kastanie hinter der Kapelle schon mal fleißig ihre Knospenkerzen auf, auch wenn sich die Buche noch zurückhält.
„Wir testen die Erstpilger auf den kleinen Wallfahrten, ob sie das auch schaffen“ Herbert Schäfer, einer der Gründer der Friedenswallfahrt
Zum 25. Mal veranstalten die Neersener Matthias-Brüder diese Friedens-Wallfahrt als Auftakt der Pilgersaison. Im Mai und im Herbst geht es nach Trier, zum Grab des Apostels Matthias als Höhepunkt der Saison. Von Dienstag vor Christi Himmelfahrt an gehen meist 35 Menschen nach Trier.
Weitere 20 bis 30 stoßen erst am Donnerstag dazu. Auch wenn manche Wegstrecken aus technischen Gründen gefahren werden müssen – absolvieren die meisten 190 Kilometer zu Fuß. „Aber wir testen die Erstpilger auf den kleinen Wallfahrten, ob die das auch schaffen“, sagt Herbert Schäfer, einer der Gründerväter der Friedenswallfahrt nach Klein Jerusalem.
über den ADAC von der Kapelle erfahren
„über diese vielen Menschen hier freue ich mich wie ein kleines Kind“, gesteht er. Er war aus Düsseldorf nach Neersen gezogen und hatte in einem vom ADAC herausgegebenen Buch mit dem Titel „Schatzkammer Deutschland“ von der Kapelle als „Niederrheinisches Kleinod“ gelesen, die jedoch keiner mehr kannte.
Deswegen war es auch schwierig, das Bistum dazu zu bewegen, die nötige Renovierung mitzufinanzieren. „Dieser Mann vom Generalvikariat in Aachen sieht uns jetzt zusammen mit unserem alten Präses ägidius Gartz bestimmt von oben zu.“ Als das erste Mal 100 Menschen zur Friedenswallfahrt pilgerten war er glücklich. „Da wußte ich, wir haben gewonnen.“
Karl Bozem, Brudermeister der Neersener Matthias-Brüder ist im Stress. Sitzplätze für mindestens 600 Menschen haben er und seine 50 Helfer vor der Kapelle aufgestellt, wo der Gottesdienst im Freien abgehalten wird. Gleich am Eingang zu dem kleinen gut gepflegten Grundstück um die Kapelle bieten ein paar Brüder den neu ankommenden Pilgern jeweils ein Gläschen Pilgerwasser.
„Das soll den Geist beleben und die Stimme heben“, erläutert Herbert Schäfer den Sinn des Brauches. „15 Flaschen“, sagt Karl Bozem.
Bei den 2200 Brötchen unter dem nächsten Zeltdach warten schon die Matthias-Schwestern Ilse Peters und Karin Beck geduldig auf den Ansturm, den sie nach der Messe erwarten.
Die haben sie und andere am Vormittag geschmiert und belegt. 300 Liter Kaffee werden gekocht und 35 Kuchen aufgeschnitten. „Für die Kinder“, sagt Peters und freut sich, dass auch Schwestern aus anderen Orten inzwischen welche mitbringen. Das alles geht kostenfrei an die Pilger.
An den Zeltstangen hängen lediglich kleine Gummistiefel, in die man seine Spende tun kann. „Manchmal geht das nicht auf“, sagt Peters. „Besonders, wenn das Wetter schlecht ist.“
© wz-online, Westdeutsche Zeitung
Originalartikel:
Auftakt der Neersener Pilgersaison (104,05 Kb)